Screenshot Open Source Audio Workstation(Bild: Screenshot Open Source Audio Workstation)

Hier geht es um die Einrichtung von OpenSource Audio-Workstations wie sie sich nach meiner Erfahrung im Lokalradio und in Produktionsstudios bewährt haben. Mit diesem Post wende ich mich ausdrücklich nicht an Musikproduzenten.

Das Betriebssystem

Der Umstieg auf Linux war zunächst vor allem im Bereich Audio nicht ganz einfach. Die Verarbeitung von Audiosignalen unter Linux ist z.B. nicht nur innerhalb eines Programms möglich. Es können ganz unterschiedliche Programme untereinander verschaltet werden, ganz so wie man es von einem Tonstudio gewohnt ist. Damit sind unter Linux Dinge möglich, die unter Windows undenkbar waren und so überhaupt nicht in meine Audio-PC-Erfahrungen passten.

Es gibt spezielle Distributionen, die sich ausschließlich an Studiopruduzenten wenden. Mein System sollte ein möglichst normales für allgemeine Anwendungen aber mit professionellem Audio sein. Die Wahl von ubuntu hat sich in den Jahren bewährt. Mein Schwerpunkt liegt in der Produktion von Berichten, Reportagen, Features, Interviews u.ä., also nicht in der Musikproduktion. Deshalb hat für mich die Echtzeiteigenschaft der Workstation keine so hohe Priorität. Es sei aber festgehalten, dass dies eine weitere Besonderheit ist, die Linux-Audio von anderen Plattformen unterscheidet.

Installation von ubuntu

ubuntu 18.04 ist auf einem Rechner mit aktueller Hardware teils in ca. 10 Minuten installiert. Dabei ist bereits eine vollständige Office-Suite enthalten und die nötigsten Internetprogramme. Ein wenig Anpassung benötigt die Darstellung im Dateibrowser Nautilus und z.B. die Aktivierung von sog. Arbeitsflächen.

Installation von Audioprogrammen

Im Laufe der Jahre haben sich bei mir einige Anwendungen bewährt, deren Installation ich in ein Script gepackt habe. Durch das Script install-audio-libs-ubuntu werden installiert:

Außerdem finden zahlreiche sog. libraries den Weg auf die Workstation, die zusätzliche Dienste zur Verfügung stellen. Auch die Nautilus-Scripts werden installiert, die nützliche Tools zum Umwandeln von Audio- und Videodateien bereit stellen.

Nach der Sicherheitsabfrage bei der Ausführung dieses Scriptes ist vom Anwender lediglich die Frage nach der Echtzeitbenutzung zu bejahen, was ich empfehle, auch wenn man darauf nicht wirklich angewiesen ist. Durch das Script wird dem System der Benutzer audio zugefügt. Dies ist für den reibungslosen Betrieb der Anwendungen notwendig und wird gerade von Anfängern oft übersehen. Um die Benutzer/Gruppenzugehörigkeit wirksam werden zu lassen, loggt man sich einmal aus und wieder ein.

Ardour

Nun kann die Installation der Audio-DAW Ardour erfolgen. Wer den Entwickler unterstützen möchte kann sich auf der Ardour Website registrieren, um die Weiterentwicklung zu fördern. Die Ardour-Installationsdatei lädt man herunter, macht sie ausführbar und startet sie z.B. mit einem Doppelkick Im Terminal ausführen!. Danach aber bitte Ardour nicht gleich starten!

Einrichtung von Hilfs- und Anwendungsprogrammen

Es ist wichtig zu wissen, dass für professionelles Audio unter Linux ein separater Audioserver namens jack zuständig ist. Dieser muß als erstes gestartet werden um den vollen Funktionsumfang nutzen zu können. Ich nutze dazu das Hilfsprogramm qjackctrl. Nach dem Start des Programmes ist zu überpüfen ob die richtige Soundcard Verwendung findet. Danach startet man den Jack-Soundserver mit dem Button Start.
qjackctl

Erst jetzt startet man Ardour für die Audiobearbeitung. Beim ersten Mal sammelt Ardour einige Systeminformationen und führt durch einen Einrichtungsdialog in dem z.B. festgelegt werden kann, in welchem Verzeichnis die Audioprojekte gespeichert werden sollen.

Einrichtung von Ardour

Nach dem ersten Start von Ardour sollte man sich die DAW so einrichten, wie man sie am häufigsten benutzen wird. Also Spuren einrichen, den Typ von Pegelanzeigen einstellen, PlugIns oder Inserts einfügen, Audio- Eingänge und Ausgänge einstellen usw.. Dies speichert man dann als Vorlage ab und kann sie beim Anlegen jedes neuen Projektes benutzen. Darüber hinaus lohnt es sich in den Globalen Einstellungen z.B. das Kopieren von Dateien ins Ardour-Projekt zu aktivieren.

Zusammenfassung der Installation

Für die Installation führt man also auf einem laufenden ubuntu diese Schritte aus:

  • Script zur Installation von Programmen und libs ausführen
  • qjackctrl starten und einrichten
  • Ardour herunterladen, installieren und einrichten

Über die rechte Maustaste erledigt man den täglichen Konvertierungswahnsinn

Screenshot Nautilus scripts

In der täglichen Arbeit hat man oft Audiomaterial in den unterschiedlichsten Formaten zu verarbeiten. Ich finde es lästig für jede Konvertierung ein extra Programm aufzurufen. Deshalb habe ich eine ganze Reihe von Nautilus-Scripts geschrieben. Diese lassen sich in den Standard-Dateiexplorer Nautilus von ubuntu recht einfach einbinden und dann mit der rechten Maustaste ausführen. Die Installation dieser Nautiluserweiterung ist im oben genannten Audio-Installationsscript integriert.

Vor- und Nachteile von OpenSource-Software

Die Linux-Unterstützung der Hersteller von Audio-Hardware läßt sehr zu wünschen übrig, das ist ein Nachteil. Man sollte sich unbedingt vor dem Kauf versichern, ob das Gerät unter Linux läuft. Dabei ist verwirrend, dass es eine ganze Reihe von Geräten gibt, für die die Hersteller nur Angaben für Mac und Windows machen und entsprechende Treiber zur Verfügung stellen. Manche Geräte laufen aber unter Linux häufig einfach so, ohne irgendwelche Treiber zu benötigen oder zusätzlich Einrichtungen vornehmen zu müssen. Inzwischen gibt es viele Linux-kompatible Sound-Interfaces. Hier kann man sich informieren Linuxfähige Audiohardware

Die Qualität von OpenSource-Software kann sehr unterschiedlich sein. Die hier genannten Programme gehören zur Zeit überwiegend zu den aktiv weiterentwickelten Projekten. Vorteil ist, dass man eigene Anpassungen in wesentlich höheren Maße vornehmen kann als bei propritärer Software (siehe auch die selbst entwickelten Scripte). Außerdem ist es möglich selbst zur Entwicklung beizutragen oder eigene Vorschläge einzureichen. In Ardour wurden so auch einige Funktionen implementiert, die ich vorgeschlagen habe bzw. Fehler bereinigt, die in meiner Arbeit auftraten.

Nützliche Links

Ardour
ubuntu wiki zu ardour

Der Beitrag wurde 2018-12 in Bezung auf ubuntu 18 aktualisiert.