Facebook Screenshot(Bild: Facebook Screenshot)

Nachrichten, die ich vor einigen Jahren immer öfter auf Facebook las, zeigten eine Entwicklung. Was kündigte sich da an?

Ich fand es interessant, sich mit Menschen über eine einfache Oberfläche zu verbinden und meldete mich bei Facebook an, sobald es im deutschsprachigen Raum verfügbar war. Bis dahin war ich hauptsächlich im usenet oder Web-Foren unterwegs und nutzte Mailinglisten. Aber das war alles sehr spezialisiert. Bei Facebook empfand ich die Verbindung mit Menschen spannend, die sich nicht unbedingt nur für “meine” Themen interessierten.

Aber Facebook veränderte sich schnell. Die Plattform wurde weiterentwickelt und optimiert. Unmut rief z.B. die zunehmende Werbung und der Einsatz von Algorithmen hervor, die vor allem die Sortierung der Timeline betraf. Immer mehr Nutzer protestierten dagegen. Aber, kann ein Unternehmen mit seinem Produkt nicht machen was es will? Und die Firma hat einfach auch weiterhin gemacht was sie wollte. Viele Nutzer sahen Facebook jedoch wohl inzwischen als “Ihr” Netzwerk. Unterhaltung und das Mitteilen persönlicher Überzeugungen scheint für Menschen so wichtig zu sein, dass ein soziales Netzwerk mitunter als eine Art Grundversorgung wie Wasser und Strom betrachtet wird. Vielleicht ist der Ansatz auch gar nicht so schlecht. Nur, war Facebook je als soziales Netzwerk konzipiert?

Was sich damals schon ankündigte, wurde später in Dresden formuliert und ist hier erklärt. In den Online-Medien zeichnete sich die Stimmung ab, bevor die Menschen auf die Straße gingen. Fatal, dass vor allem Facebook wie ein gewaltiger Signalverstärker wirkte. Fatal, dass Politik und Teile der Gesellschaft wohl bis heute nicht verstehen, welchen Einfluss  Privatfirmen auf die politische und gesellschaftliche Entwicklung weltweit haben. Um das Problem mit der sog. Hassrede anzugehen, wurden die Plattformbetreiber zu einer Art Zensur verpflichtet. Statt Strafverfolgung, Löschung von Inhalten. Aber wird es damit gelöst?

Man kann doch als Einzelner nichts machen! Oder: “Ich fand Facebook schon immer Kinderkram und hab mich da nie angemeldet”. Inzwischen scheint es erwiesen, dass der Einfluss dieses, ich mag es nicht mehr “soziales” Netzwerk nennen, auf Politik und Gesellschaft einfach zu groß geworden ist. Die Auswirkungen betreffen auch jene, die nicht Mitglied sind.

Der mangelnde Einfluss der Nutzer auf das technische Verhalten der Plattform, z.B. der Sortierung der Nachrichten, ist sicher ärgerlich. Ist die Intransparenz, welche Daten wozu erhoben und wie weiterverarbeitet oder womöglich verkauft werden, nicht schwerwiegender? Ebenso intransparent sind die Dienstleistungen die Facebook an politische Parteien verkauft. Facebook nutzt die Arbeit vieler Open Source Softwareentwickler, um einen sog. “walled garden” zu bauen, also ein abgeschlossenes Terrain. Es gibt keine gesellschaftlich neutrale Kontrollmöglichkeit der Verwendung der Nutzerdaten. Selbst Daten von Nutzern, die keine Facebook-Mitglieder sind, werden an die zentralen Server weitergeleitet und ausgewertet. Das System widerspricht dem Anliegen, welches Tim Berners-Lee ursprünglich verfolgte, als er das Hypertext Transfer Protocol (HTTP) entwickelte.

Inzwischen gibt es viel Kritik an Facebook. Aber, nach wie vor nutzen einige der großen Kritiker, wie z.B. Verlage weiterhin Facebook-Werbung und Facebook-Tracking. Die öffentlich rechtlichen Sender z.B. verweisen immer noch, ohne Alternativen zu nennen, auf das private Netzwerk. Sollten nicht gerade Medien, die von unseren Gebühren finanziert werden, offene Alternativen verwenden oder fördern? Und wie ist es mit öffentlichen Einrichtungen, Vereinen und Kirchen? Das Stichwort public money - public code liefert dem Interessierten weiterführende Informationen.

Nach einer Studie vom Frühjahr 2018 hat sich ca. die Hälfte der bisherigen jugendlichen Facebook-Nutzer in den USA von Facebook abgewandt. Das ist insofern bemerkenswert, als dass die Nordamerikaner bisher als recht freizügig galten, was den Umgang mit persönlichen Daten anging. Es ist also zu erkennen, dass Facebook den Bogen überspannt hat. Bestätigt die aufwändige Facebook-Werbekampagne diese Vermutung?

Alternativen zu Facebook gibt es schon lange. Natürlich habe ich Diaspora ausprobiert und war bei GNUSocial unterwegs. Richtig in Fahrt sind diese Netzwerke leider nie gekommen. Es fehlte an vielem. Relevante Nutzerbasis, Entwickler, Akzeptanz und natürlich Geld. Inzwischen sind ein paar Jahre vergangen und es hat sich einiges getan. Vor allem die Einsicht nimmt zu, wieder zurück zu föderalen Strukturen zu kommen. Dazu wurde ein interessantes Protokoll entwickelt: ActivityPub.

Die Netzwerke Pleroma und Mastodon nutzen es. Insbesondere die Nutzerbasis von Mastodon ist in den letzen Jahren stark gewachsen. In dem Netzwerk werden sich Tweetdeck-Nutzer schnell zurechtfinden. Aber man ist nicht nur auf einen Clienten angewiesen. Mastalab und Whalebird bieten sich an. Für Facebook-Nutzer könnte deren Darstellung zugänglicher sein. Trotzdem ist Mastodon kein Facebook-Ersatz sondern ein anderes Netzwerk, es setzt andere Akzente. Scuttlebut geht noch einen Schritt weiter. Es nutzt ebenfalls ein neues Protokoll, welches ohne Speicherung der Timeline-Daten auf zentralen Servern auskommt. Als Alternative für Instagram wird gerade [Pixelfed] (https://pixelfed.org/) entwickelt. Youtube bekommt einen David namens Peertube und Funkwhale schiebt eine Welle vor den Bug von Spotify.

Das sog. Fediverse benötigt Entwicklungszeit und Unterstützung, aber es scheint in Fahrt zu kommen. Es gibt also durchaus Alternativen zu den Werbenetzwerken und Mähdreschern wie Facebook, die die Daten (nicht nur) ihrer Nutzer ernten!