Pinguine aus Glas
Linux-Maskottchen Pinguin - c. Foto J.Sorge

Nach mehr als 100 Linux-Installationen habe ich aufgehört zu zählen. Das liegt schon einige Jahre zurück, es sind also noch etliche dazu gekommen, vor allem Desktops, aber auch Server. Die meisten Installationen betrafen Systeme für Endanwender. Private Laptops, Audioworkstations, aber auch Desktops für Verwaltung und Recherche, z.B. in einem Mediendienst und einem Lokalradio. Mit den Erfahrungen in der Nutzung wie auch in der Linux-Schulung, komme ich gleich zu einem Mythos:

Linux ist nur etwas für Freaks und Computer-Nerds.

Warum dies bis heute kolportiert wird, entzieht sich meiner Kenntnis. Längst nutzt heute die Mehrzahl der Anwender elektronischer Systeme Linux. Was? Ja, z.B. wenn man auch nur den ersten Buchstaben in die Maske eines bekannten Internetsuchdienstes eingibt, oder

  • ein Smartphone nutzt
  • Wikipedia befragt
  • in einem sozialen Netzwerk postet
  • mit einem Navigationssystem fährt
  • oder Fernsehen schaut.

Die Liste ließe sich lange fortsetzen. Ist Linux besser als Windows? Natürlich hat auch Windows in manchen Fällen seine Berechtigung.

In meiner Praxis ging es häufig darum, von Windows auf Linux umzustellen. Die wenigsten Probleme hatten dabei Nutzer,

  • die eine gute Einweisung bekommen hatten und über Unterschiede aufgeklärt wurden,
  • deren Focus auf der Lösung einer Aufgabe bestand und unvoreingenommen daran gingen, vor allem aber,
  • nicht mit Windows-Gewohnheiten Probleme zu lösen versuchten.

Schon vor ca. 2000 Jahren erinnerte Paulus die Galater daran, dass sie zur Freiheit berufen seien. Die Theologen mögen mir verzeihen, dass ich die alten Schriften für diese Problematik bemühe. Aber es beschreibt ganz gut eine Beobachtung die ich in diesem Zusammenhang gemacht habe.

Wenn bei Linux etwas nicht funktioniert, dann ist der Anwender gefragt sich einzubringen. Auch mit wenig Softwarekenntnissen kann man einen Fehlerbericht schreiben und so zur Verbesserung beitragen. Bei Windows, und meiner Ansicht nach erst recht bei macOS, geht das nicht so leicht. Der Quellcode ist überwiegend nicht frei verfügbar und nicht von einer Gemeinschaft erarbeitet. Andererseits hat man mit Microsoft oder Apple einen geduldigen Sündenbock auf dem man den eigenen Frust abladen kann. So sehe ich für den Umstieg von Windows oder macOS auf Linux nicht in erster Linie Fragen der Technik oder der Software.

Vor einem Umstieg auf Linux sollte man meiner Ansicht nach fragen:

  • Wo ist mein Standpunkt?
  • Bin ich bereit und in der Lage alte Gewohnheiten aufzugeben?
  • Bin ich bereit für einen Perspektivwechsel?
  • Bin ich bereit für Freiheit?

Freiheit bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Ich wälze Probleme nicht in erste Linie auf andere ab, sondern versuche selbst beizutragen. Insofern ist Freiheit anstrengend und manchmal eben auch eine Frage an mich selbst. Freiheit kann auch bedeuten, ich bewege mich nicht mehr in einem goldenen Käfig, so kommt mir zumindest das Apple-Universum manchmal vor. Ich bin nicht gebunden an Grenzen. Das klingt einerseits gut, kann aber andererseits auch Unsicherheit bedeuten. Trotzdem würde ich jedem das Abenteuer empfehlen, an das Paulus erinnert

Ihr aber, Brüder und Schwestern, seid zur Freiheit berufen.

Weiterführende Informationen

Dieser Beitrag erschien beim Luki e.V.