Mit Mundschutz im Krankenhaus(Bild c.JS: Mit Mundschutz im Krankenhaus)

Das Bild mit Mundschutz ist nicht aktuell, es wurde 2016 aufgenommen. Es war der Beginn einer Isolation, die seit dem in unterschiedlicher Ausprägung andauert. Begonnen hat sie mit einer Umkehr-Isolation über fünf Wochen im Krankenhaus. Dann Monate der häuslichen Quarantäne. Später Reisen oder Besuche nur unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen, Meidung größerer Menschenmengen. Im öffentlichen Raum Körperkontakt vermeiden, Dinge nur mit Schutz anfassen, oft Hände Waschen und desinfizieren, Abstand auf unbekannte Menschen halten. Immer Salbeitee dabei, um den Rachen unkompliziert desinfizieren zu können. Grippe-Symptome manchmal nach Aufenthalt im bevölkerten öffentlichen Raum. Reisen, Konferenzen oder Seminare, die ich kurzfristig immer wieder wegen Infektionen absagen muss. Ich bin jetzt im vierten Jahr einer, mal mehr oder weniger starken, Isolation. Die äußeren Bedingungen haben sich nun allerdings dramatisch verschärft.

Was war eigentlich geschehen?

Auf Anraten meiner Hausärztin lieferte ich mich mit inneren Blutungen selbst ins Krankenhaus ein. Eigentlich hatte ich nur Grippe. Kein Fieber, aber Gliederschmerzen, Unwohlsein, Kraftlosigkeit. Es wurde relativ schnell eine Haarzell-Leukämie diagnostiziert. Sehr selten, sie ist verbunden mit einer immer weiter fortschreitenden Immunschwäche. Sie ist geprägt durch den Umbau des Knochenmarks und der zunehmenden Verdrängung gesunder Blutzellen. Das geschieht langsam, schleichend, kann über Jahrzehnte unerkannt sein und schwächt den Körper. Bei vielen Haarzell-Patienten wird die Produktion der Haarzellen durch die Therapie soweit eingedämmt, dass sich die Blutwerte wieder erholen. Die Haarzellen wurden auch bei mir reduziert, allerdings erholten sich meine Blutwerte viel länger als üblich nicht so recht und es verstärkten sich andere Begleiterscheinungen.

Rückzug?

In solchen Situationen stellt sich die Frage nach dem Rückzug. Ist die Angst vor Infektion so groß, dass man sich nicht mehr unter Leute traut? Bei dieser Erkrankung geht es ja nicht darum, dass man andere anstecken könnte! Nein, die Gefahr droht von außen, man muss sich selbst schützen! Man muss sich immer wieder mit dieser Angst auseinandersetzen.

Aber hier trägt mich das Vertrauen, dem man im Evangelium begegnet. Nicht zu meinem Selbstzweck, sondern als Teil eines Friedens, der höher ist als alle Vernunft, wie es oft im Abschlusssegen des Gottesdienstes heißt. Ich hoffe und bete, dass mir das erhalten bleibt, und es vielleicht auch andere erfahren können.

Ich habe mich tatsächlich eine Weile zurückgezogen. Habe meditiert, gebetet, geistliche Exerzitien gemacht. Mein bisheriges Leben analysiert, über Bord geworfen, was mich belastet hatte. Und dann war es mir möglich, mich neu zu orientieren, wieder nach vorn zu schauen. Die Isolation schränkt mich ein, ja. Aber ich habe Zeit, mich mir selber zu stellen. Das war und ist nicht immer schön! Da kommen Dinge zu Tage, die man gern mit viel Arbeit, Beschäftigung, wichtigem Getue oder Hobbys und Zerstreuung überspielen möchte.

Aufgezwungene Isolation

Aber ich möchte auch auf andere Aspekte aufmerksam machen. Ich lebe auf dem Dorf. Kunst und Kultur? Fehlanzeige! Kino oder Theaterbesuche am Abend in den nächstgelegenen Städten? Aufgrund von fehlender Infrastruktur des öffentlichen Nahverkehrs schon Jahrzehnte nicht möglich! Für interessante Vorträge, Seminare, Barcamps, Konferenzen u.ä. in den größeren Städten sind Unsummen an Fahrt- und Übernachtungskosten aufzuwenden. Von den ehemals drei Gaststätten im Dorf gibt es schon Jahrzehnte keine mehr. Bäckerei: geschlossen, zwei Lebensmittelläden: geschlossen, zwei Postfilialen: geschlossen. Alles ist im ländlichen Raum auf den Autoverkehr ausgerichtet. Und da gibt es viele Benachteiligte! In welcher Isolation leben z.B. blinde und sehbehinderte Menschen? Sie können sich nicht mal eben ins Auto setzen um an einem Treffen teilzunehmen! Auch die digitalen Angebote sind für sie oft immer noch nicht barrierefrei nutzbar. Lebenslange Isolation!

Insofern freue ich mich, dass ich auch Menschen kenne, die in der Coronakrise keine Langeweile haben, sondern sich engagieren, um z.B. Barrieren im Digitalen abzubauen, praktische Hilfen anbieten und für eine Neuorientierung unserer Gesellschaft eintreten.

Vielleicht kann man diese Zeit als Chance begreifen um sich mit sich selbst und mit Gott auseinanderzusetzen? Und dann könnte Kraft mobilisiert werden um die Schwächen und Probleme anzugehen, die sich in dieser Krise offenbaren.

Genug Öl

Die Überschrift ist übrigens einem Gleichnis von Jesus Christus entlehnt, dass mir im Zusammenhang mit der Corana-Krise in den Sinn kam. Was hat es mit dem Öl auf sich, welches einige haben und manche nicht? Es könnte einen Zeitpunkt geben, an dem hat man - oder nicht, und wenn ja, dann kann man nichts abgeben. Es hängt wohl damit zusammen, welche Grundlage man in guten Zeiten gewählt hat.

Das Gleichnis von den Jungfrauen